PlanBildung in Berlin – Geschichte, Politik und Hauptstadttrubel

Im Herbst 2025 begann für 20 Teilnehmende von PlanBildung eine Demokratie-Workshop-Reihe: In drei Veranstaltungen setzten sie sich intensiv mit Themen wie Identität, Kommunikation und Empathie auseinander. Den Höhepunkt bildete ein gemeinsames Wochenende in Berlin.

02.04.2026, von Viola Schmidt

An einem Freitagmorgen versammelt sich eine Gruppe von Schüler*innen am Kölner Hauptbahnhof. Mit Rucksäcken und Taschen bepackt, teilweise noch ein wenig verschlafen, steuern sie Gleis 3 an. Ihr Ziel: Berlin. Begleitet werden die Jugendlichen von vier Pädagog*innen und Valeska Damm-Berndorff, die das Förderprogramm PlanBildung beim Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds koordiniert. Sie hält an diesem Wochenende gewissermaßen das Orga-Zepter in der Hand. Denn das anstehende Programm ist eng getaktet und verspricht einiges.

Auf Tuchfühlung mit dem Parlament

In Berlin angekommen geht es kurz zum Hostel an der belebten Warschauerstraße. Doch Zeit zum Ankommen bleibt kaum, denn das erste Highlight wartet:  eine Führung durch den Bundestag.

Vor dem Reichstag bringt der typische Berliner Ostwind die Flaggen in Bewegung. Schnell noch ein Foto, bevor es reingeht: Durch die Sicherheitskontrollen, dann sind sie mittendrin – in der Herzkammer der deutschen Demokratie. In den nächsten zwei Stunden lernen die Jugendlichen das parlamentarische Politikgeschehen kennen: Wer sitzt wo im Plenarsaal, was bedeuten die Anzeigetafeln, was ist ein „Hammelsprung“? Auch die Geschichte des Gebäudes wird anschaulich erklärt, vom Reichstagsbrand bis zur Verhüllung durch Christo. Eine Schülerin will wissen: Wo sitzt eigentlich Kanzler Merz? Sichtlich beeindruckt verlassen die Schüler*innen das Gebäude – Politik wirkt für viele jetzt ein Stück greifbarer.

Samstag: Zwischen Geschichte, Moderne und Illusionen

Der Samstag beginnt vor der wohl berühmtesten Kulisse Berlins: Dem Brandenburger Tor, Symbol deutscher Einheit. Von hier aus startet die Stadtführung, bei der die Jugendlichen deutsche Geschichte und das heutige Berlin hautnah erleben.

Nur wenige Meter vom Brandenburger Tor entfernt liegt das Holocaust-Mahnmal, dessen endlos erscheinende Betonstelen einen stillen Moment des Innehaltens ermöglichen. Von dort zieht die Gruppe weiter entlang der historischen Achse Unter den Linden, vorbei am Bebelplatz, dem Ort der Bücherverbrennung 1933.  Anschließend besuchen die Jugendlichen die Topographie des Terrors, ein Dokumentationszentrum auf dem Gelände der ehemaligen Gestapo- und SS-Zentrale. Hier werden die Dimensionen des nationalsozialistischen Terrorapparats gezeigt. Nur wenige Gehminuten entfernt liegt das Gelände des ehemaligen Führerbunkers, in dem sich Hitler in den letzten Wochen des NS-Regimes aufhielt und Suizid begann. Heute befindet sich dort ein Parkplatz. Die Stadtführung endet am Checkpoint Charlie, einem der markantesten Grenzübergänge der einst geteilten Stadt, der heute als Mahnmal und touristische Station die Zeit der Berliner Mauer greifbar macht.

Erkundungstour & Illusionen

Zwei Stunden intensive Beschäftigung mit Politik und Zeitgeschichte machen hungrig. Mittagspause. Bis zum nächsten Programmpunkt am Nachmittag haben die Jugendlichen Zeit, Berlin auf eigene Faust zu erkunden. Sie schlendern durch Kieze, probieren lokale Snacks (Currywurst!). Eine Kleingruppe macht einen Abstecher nach Friedenau, um sich den Drehort der Serie „Türkisch für Anfänger“ anzusehen. „Für die Jugendlichen ist es wichtig, auch Zeit zum selbständigen Erkunden zu haben“, sagt Valeska Damm-Berndorff. „Für viele ist das etwas ganz Neues und etwas sehr Besonderes. Die allermeisten sind zum ersten Mal in Berlin und sind sehr beeindruckt von der Größe und der Historie der Stadt.“

Am Nachmittag steht ein weiteres Highlight an: Ein Besuch im Illuseum, dem Museum für optische Täuschung. Dort tauchen die Schüler*innen ein in eine Welt, in der nichts so ist, wie es scheint: Wände und Böden drohen zu kippen, Treppen wirken schief, Personen erscheinen größer oder kleiner. Staunen, lachen, mitmachen. Die Jugendlichen steigen in optische Illusionen hinein und werden selbst Teil der Täuschungen. Themen wie Perspektive, Größenwahrnehmung, Schwerkraft und visuelle Tricks werden spielerisch vermittelt. Aber auch um Meeresschutz geht es: Das Museum verbindet interaktive Installationen und Wahrnehmungsexperimente mit gesellschaftlich relevanten Fragestellungen wie Plastikverschmutzung der Ozeane, Überfischung und Folgen des Klimawandels. Ein Museum als Spielwiese, kuriose Schnappschüsse inklusive.

Sonntag: Architektur, Shoppingmeile & Marathon

Am Sonntag stehen die Gedächtniskirche und der Kurfürstendamm auf dem Programm. Zwischen historischem Mahnmal und luxuriöser Einkaufsmeile nehmen die Jugendlichen die Vielfalt der Stadt wahr. Hasan, 17, kommentiert: „Berlin wirkt so, als hätte es keine feste Uhrzeit. Es ist immer etwas los.“ Das trifft an diesem Sonntag besonders zu: Der Halbmarathon mit 40.000 Teilnehmenden sorgt für besonders viel Trubel und Bewegung in der Hauptstadt.

Voller Eindrücke zurück nach Köln

Am Sonntagmittag steigt die Gruppe wieder in den ICE. „Ich kannte Berlin immer nur aus dem Internet und dem Fernsehen“, sagt Yusuf, 16. „Ich bin dankbar, dass ich die Stadt durch das Programm persönlich kennenlernen konnte.“ Das Fazit der Jugendlichen fällt durchweg positiv aus. Besonders der Bundestag, die vielen historischen Orte und das Erkunden der Stadt auf eigene Faust waren für viele die Highlights. Aber auch das gute Miteinander in der Gruppe sei toll gewesen. Und so sind über die Workshop-Reihe nicht nur neue Kompetenzen und Erfahrungen dazugekommen, sondern auch Freundschaften.


Dass die Demokratie-Workshop-Reihe und die Berlin-Fahrt stattfinden konnten, verdanken wir der großzügigen Unterstützung der Firma Soennecken. Ganz herzlichen Dank dafür! Ihr zeigt, was möglich ist, wenn Firmen sich für Bildung einsetzen!